Wenn die Geister rufen

Kapitel 2: Wetterumbruch

Wenn die Geister rufen – Kapitel 2: Wetterumbruch, gelesen von Lisa Koscielniak

Ich wurde durch starkes Ruckeln geweckt. Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hatte. Ich fühlte mich immer noch müde und zerschlagen. Da hätte ich auch wach bleiben können. Blinzelnd sondierte ich die Lage. Inzwischen hatte der Weg vor uns auch noch viele Schlaglöcher und es hatte angefangen zu regnen. In der Ferne konnte ich sogar Donnergrollen hören. Es war fast so, als wollte das Wetter uns sagen, dass wir umkehren sollten. Doch Vater ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Mit stoischer Ruhe starrte er nach vorne und krallte sich an das Lenkrad. Der Regen hatte die Straße.. ach nein… den Weg vor uns aufgeweicht und so langsam wurde es zu einer Rutschpartie. Wenn wir nicht langsam mal ankommen, landen wir noch in diesem Wassergraben, der links von uns verläuft.

„Kommt unser Auto mit dem Wetter klar?“, fragte ich unsicher und Vater sagte „ah, du bist wieder wach, das ist gut. Nun ja, wir haben Allrad Antrieb, aber wenn das so weitergeht, werden wir trotzdem Probleme bekommen. Die gute Nachricht ist aber, dass wir bald da sein müssten. Wenn man dieser Karte hier Glauben schenken kann…“, „und wenn wir richtig gefahren sind…“, ergänzte ich und bekam dafür einen spöttischen Blick. „Willst du fahren?“, fragte er „bitte nicht. Ich habe doch gerade erst die Prüfung bestanden. Ich fahre dann bei gutem Wetter und auf richtigen Straßen…“, entgegnete ich und er schmunzelte.

Unsere holprige Fahrt ging weiter und wir betrachteten beide mit wachsender Unruhe den Weg vor uns. Das Wetter hatte uns ausgebremst und wir kamen nur noch langsam voran. Schließlich passierte das, was wir die ganze Zeit befürchtet hatten. Wir steckten fest. Eines der Autoräder steckte in einem großen Schlagloch, dass randvoll mit Schlamm war und drehte durch. „Mist! So kurz vor dem Ziel…“ rief Vater und seufzte. „Was machen wir denn jetzt?“, fragte ich nervös. „Vielleicht können wir das Auto anschieben…“, überlegte er. Gerade als wir ausgestiegen waren, um uns die Lage mal von außen anzusehen, sahen wir schwankende Lichter in der Ferne. Es stellte sich heraus, dass es Laternen waren. Laternen inklusive Menschen. Zivilisation. Wer hätte das gedacht.

Es waren insgesamt fünf Männer, die aus Anderdorf kamen. Sie sagten, dass meine Großmutter sich aufgrund des Wetters und der späten Uhrzeit Sorgen gemacht hatte und sie sie deshalb in unsere Richtung geschickt hat. Dankbar erklärte Vater unsere Lage. Fachmännisch standen wir dann alle um das Schlagloch herum und begutachteten das Rad. Wind und Regen wurden immer stärker und ich hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Schließlich hatten wir einen Plan. Die fünf Männer und Vater wollten schieben und ich sollte mich ans Steuer setzen. Als ich mich auf den Weg zur Vordertür machte, rutschte ich schwungvoll auf dem matschigen Boden aus und lag kurz darauf im Dreck. Das musste ja passieren. Und alle hatten es mitbekommen.

Unter den Kapuzen konnte ich nur schwer irgendeine Mimik erkennen, aber ich könnte schwören, dass einer von ihnen gekichert hatte. Schnell rappelte ich mich wieder auf und wäre dabei fast wieder gestürzt. „Alles in Ordnung?“, rief Vater zu mir rüber. Ich nickte und setzte meinen Weg fort. Eigentlich war gar nichts in Ordnung. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, ich war voller Schlamm, zitterte vor Kälte und mein Hintern tat weh, da der meinen Fall abgebremst hatte. Alles. Absolut alles deutete daraufhin, dass wir einfach umkehren sollten. Aber nein. Wir setzten unseren Weg natürlich fort. Ich war wütend. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto wütender wurde ich.

Es kostete mich sehr viel Mühe, um die Ruhe zu bewahren. Im Auto angekommen, atmete ich ein paar Mal tief ein und aus und dann startete ich den Motor. Es könnte sein, dass ich mich ein wenig darüber gefreut habe, dass bei dieser Auto-Befrei-Aktion alle dreckig wurden und am Ende voller Schlamm waren. Ja, auch ich war schadenfreudig. Zumindest in dieser Situation. Jetzt konnte es endlich weitergehen. Während wir im Schritttempo weiterfuhren, gingen die Männer neben uns her und zeigten uns den Weg. Das Wetter schien ihnen gar nichts auszumachen. Ob das daran lag, dass solche Unwetter hier in der Gegend normal waren? Na, hoffentlich nicht. Mir war immer noch kalt und ich wollte nur noch irgendwo ankommen und mich aufwärmen. Und dann sah ich es. Das Straßenschild: „Herzlich Willkommen in Andersdorf“. Da waren wir also…

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-06-01T15:30:00

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Kapitel 3

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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