Wenn die Geister rufen

Kapitel 5: Flüstern

Wenn die Geister rufen, Kapitel 5: Flüstern, gelesen von Lisa Koscielniak

„Ach, hier bist du!“, rief Vater plötzlich und betrat die Küche „ich habe mir schon Sorgen gemacht…“, „du hast gut reden…“, unterbrach ich ihn „es war niemand in der Nähe und ich bin, mit Ausnahme von Pete, keinem Menschen begegnet. Wo warst du denn?“ Er hob beschwichtigend die Hände „schon gut. Ich war auf meinem Zimmer und habe danach noch ein paar Dinge mit Marienne geklärt. Soll ich dir dein Zimmer zeigen? Du willst dich bestimmt frisch machen.“ Ich nickte und verabschiedete mich von Pete. Wir verließen die Küche und gingen zurück in die Eingangshalle. „Die privaten Räume sind alle oben…“, sagte Vater und wir gingen die Holztreppe hoch, die bei jedem Schritt lautes Knarren ertönen ließ, sodass sicherlich jeder im Haus wusste, dass gerade jemand die Treppe hoch oder runter ging.

Wir kamen in einem großen Flur an, der auch diese riesigen Fenster hatte. Einmal nach links abbiegen und dann die letzte Tür auf der rechten Seite des Ganges. Das war der Weg zu meinem Zimmer. Gut einprägen Dana, dieses Haus hat viele Türen. Ich öffnete die Tür und staunte nicht schlecht. Ein riesiges, gemütlich aussehendes Bett aus dunklem Holz und darüber eine Lichterkette, die an der Decke befestigt war. Außerdem drei dieser riesigen Fenster und davor eine Sitzbank, die zum Lesen oder entspannen einlud und verschiedene Möbelstücke, die alle aus diesem dunklen Holz waren. Es gab auch noch eine weitere Tür in dem Raum, die in ein kleines Badezimmer führte. Ein eigenes Badezimmer. Das war ein großer Pluspunkt für dieses Haus. Vater verabschiedete sich und ich hatte das Zimmer für mich.

Ich öffnete sämtliche Schubladen und checkte die Inhalte der Schränke. Irgendjemand hatte bereits alle meine Sachen eingeräumt. Wie nett. Ein paar Dinge stellte ich noch um, aber im Großen und Ganzen konnte ich alles so lassen, wie es war. Das Familienfoto mit Vater und Mutter stellte ich auf den kleinen Tisch neben dem Bett und ich hängte noch ein paar andere Bilder an eine Pinnwand, die über einem großen Schreibtisch hing. Das sah doch schon mal ganz wohnlich aus. Jetzt aber erstmal unter die Dusche. Ich schnappte mir die gemütlichsten Klamotten, die ich finden konnte, aus einem der Schränke und lief ins Badezimmer. Nach einer ausgiebigen und vielleicht etwas zu heißen Dusche, kam ich mit schrumpeliger Haut und rotem Gesicht aus dem Badezimmer. Das hatte gut getan.

Jetzt konnte ich auch endlich überprüfen, ob das Bett so gemütlich war, wie es aussah. Ich nahm Anlauf und sprang hinein. Himmlisch. Die Matratze war ganz weich und die Bettdecke flauschig und warm. Ich machte den Fehler, noch ein Weilchen liegen zu bleiben und schlief ein. Als ich wieder aufwachte, war es draußen stockdunkel. Selbst der Mond spendete nur wenig Licht. Müde suchte ich nach dem Lichtschalter für die Lichterkette. Es dauerte eine Weile, aber dann wurde ich fündig. Endlich etwas Licht. Wie spät es wohl war? Suchend blickte ich mich nach meinem Wecker um. 23:40 Uhr. Na toll. Wie soll ich denn jetzt noch bis morgens durchschlafen können?

Ich überlegte noch, was ich jetzt machen konnte, da hörte ich etwas. Ganz leise, ein Flüstern in der Ferne. Hatte ich doch noch Fieber? Prüfend legte ich meine Hand auf meine Stirn. Sie war kühl. Angestrengt lauschte ich in die Stille. Erst war nichts zu hören, doch dann war da wieder dieses Flüstern. Sollte ich neugierig oder beängstigt sein? Die Neugier siegte und ich schlich vorsichtig zur Tür und öffnete sie langsam. Das Flüstern wurde lauter. So leise, wie ich nur konnte, schlich ich vorwärts und versuchte herauszuhören, woher dieses Flüstern kam. Eine Tür zu meiner linken schien vielversprechend zu sein und ich öffnete sie. Volltreffer. Ich näherte mich der Quelle. Hinter der Tür war eine Treppe, die noch weiter nach oben führte. Aus Mangel an einer Taschenlampe zog ich eine der Kerzen aus dem Kerzenständer neben mir und ging die Treppe hinauf.

Am Treppenabsatz hielt ich inne und lugte über die letzte Stufe. Es war eine Art Dachboden, der mit Kartons und allen möglichen anderen Dingen vollgestopft war. Aber ich konnte niemanden sehen. Dabei war das Flüstern eindeutig lauter geworden und musste aus der Richtung vor mir kommen. Dort musste jemand sein. Vielleicht versteckte sich ja jemand zwischen dem Gerümpel hier. Ich entschied noch zu warten und zu hören, was geflüstert wurde. Ich war endlich nah genug, dass ich etwas verstehen konnte. „Zwei neue sind hier. Die eine riecht wie…“, „finde ich auch, sie riecht wie sie…“, „die Alte hat doch noch nie Fremde in das Haus gelassen!“, „vielleicht sind es keine Fremden…“, „meinst du, wir könnten doch noch eine Chance haben? Meinst du sie kehrt zurück und befreit uns?“, „vielleicht. Wenn sie uns hören kann, dann haben wir Gewissheit. Wir müssen nur irgendwie mit ihr in Kontakt treten, man kann uns ja nicht sehen…“, „wir sind tot, wir können nur über unsere Stimmen mit ihr in Kontakt treten, wir müssen sie suchen…“. Mein Herz stand für einen kurzen Moment still und mir lief ein kalter Schauder den Rücken hinunter. Zeit von hier zu verschwinden. Ich setzte meinen Fuß auf die nächste Treppenstufe und ein lautes Knarren ertönte. Ich erstarrte und auf einmal war es vollkommen still.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-06-22T15:30:00

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Kapitel 6

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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