Wenn die Geister rufen

Kapitel 7 – Ein neuer Verbündeter?

Wenn die Geister rufen: Kapitel 7 – Ein neuer Verbündeter? Gelesen von Lisa Koscielniak

Die Polizei hatte damals ein ganzes Jahr lang vergeblich versucht den Mörder ausfindig zu machen, aber alle Spuren führten ins Nichts. Also hatte man den Fall wieder eingestellt und unabgeschlossen zu den Akten gelegt. Zehn Betreuer und Betreuerinnen, die Heimleitung und alle zwanzig Kinder sind dem Unbekannten zum Opfer gefallen. Die Polizei hat damals vermutet, dass sie ein leichtes Ziel waren und deshalb vom Mörder ausgewählt wurden. Eine Gruppe betrunkener Männer berichtete, dass sie auf ihrem Heimweg eine in schwarz gekleidete Gestalt gesehen haben, die Richtung Waisenhaus gegangen ist. Eine genauere Beschreibung konnten die Männer aufgrund ihres Zustandes aber nicht mehr zu Protokoll geben.

Die Fotos zeigten den Ort des Grauens in verschiedensten Blickwinkeln. Ich verengte meine Augen und betrachtete eines der Bilder genauer. Das musste eine Speisekammer sein. Vielleicht wollten sie sich darin verstecken. Auf einem der Schränke war besonders viel Blut. Viel mehr als auf den anderen Gegenständen. Ob das etwas zu bedeuten hatte? „Hast du etwas gefunden?“, fragte Flo. „Ich weiß nicht. Weißt du, wo dieser Raum ist?“, entgegnete ich nachdenklich und zeigte ihm das Foto. „Ja, das ist die Speisekammer im Keller. Die Tür ist in der Küche…“, antwortete er. „Lass uns da mal hingehen!“, sagte ich entschlossen und stand auf. „Jetzt?“, fragte er überrascht, „natürlich jetzt. Es ist mitten in der Nacht. Wir können uns ungestört umsehen…“, ich ging bereits zur Treppe und er folgte mir. „Okay. Und warum ist dir das so wichtig?“, „ist nur so ein Gefühl. Vielleicht hat die Polizei damals ja etwas übersehen. Vielleicht einen entscheidenden Hinweis… wir schulden es den Opfern von damals, wenigstens nachzusehen, meinst du nicht?“, antwortete ich und sah ihn abwartend an. „In Ordnung. Bin dabei!“, sagte er dann und wir verließen den Dachboden.

Er ging vor und im Mondlicht, das durch die Fenster fiel, konnte ich ihn das erste Mal unauffällig genauer betrachten. Er hatte blonde, kurze Haare und dunkelbraune Augen. Er war von der Statur her recht muskulös und ein ganzes Stück größer als ich. Ich war froh, dass er mich begleitete. Dann muss ich dem Mörder nicht allein gegenübertreten, falls wir ihn finden sollten. In der Küche angekommen, steuerte er eine kleine Tür an der gegenüberliegenden Wand an. „Hier geht es zu der Speisekammer auf dem Bild…“, flüsterte er und öffnete die Tür vorsichtig. Eine schmale Treppe führte nach unten und wirkte wenig einladend. Unten angekommen erleuchtete ein flackerndes Licht den Raum. Ich musterte noch einmal das Bild und suchte nach dem Schrank. „Hier! Das müsste er sein!“, rief ich und inspizierte einen Schrank, der unter einer ganzen Batterie von Salamis stand. In der ersten Schublade waren nur Gewürze und in der zweiten alte Dosen. Enttäuscht setzte ich mich hin und überlegte. „Vielleicht hat dein Gefühl dich getäuscht?“, sagte Flo nachdenklich und nahm sich einen herumliegenden Apfel.

Ob er Recht hatte? Hatte ich in das Bild zu viel hineingedeutet? Ich lehnte mich mit dem Kopf an den Schrank und hörte ein Rascheln. Das kam von der Rückseite. Schnell zog ich den Schrank von der Wand weg und tatsächlich. An der Rückwand vom Schrank klebte ein Zettel. Mein Gefühl hatte mich also doch nicht getäuscht. Vorsichtig löste ich ihn vom Schrank ab und faltete ihn auseinander. Flo gesellte sich zu mir und hielt eine Kerze in der Hand. Das zusätzliche Licht half, die Worte zu erkennen. „Wir haben uns versteckt, aber er wird uns finden. Er kennt sich aus, weiß, wo wir uns aufhalten. Zuerst hat er sich die Heimleitung vorgenommen und dann die männlichen Betreuer. Wir konnten uns mit ein paar von den Kindern verstecken. Sein Lachen hallt durch das Waisenhaus. Es klingt furchtbar. Schrill und wild. Ich konnte ihn nur kurz sehen. Er trug eine Kette mit dem Symbol des Teufels. Das Lachen wird immer lauter. Gott steh uns bei…“, las ich vor und atmete tief durch. Schwer vorzustellen, was die Bewohner des Waisenhauses durchmachen mussten.

„Wir haben es also mit einem Mann zu tun, der sich hier auskennt, eine manische Lache hat und eine Kette mit Teufelssymbol besitzt…“, fasste ich zusammen, ließ den Zettel sinken, lehnte mich nach hinten und schloss müde die Augen. „Dana Vorsicht!“, rief Flo plötzlich. Ich öffnete die Augen und der Zettel stand in Flammen. Ich hatte ihn wohl ausversehen in die Kerzenflamme gehalten. Aber stand die Kerze nicht weiter weg? Ich war mir nicht mehr sicher und mein Kopf rauchte vom vielen Nachdenken. Das war es dann mit dem neuen Beweis. „Na toll…“, grummelte ich und betrachtete den kleinen Aschehaufen. „Was jetzt?“, fragte Flo „die Informationen haben wir. Wir könnten die Leute hier befragen und herausbekommen, welche Familien damals bereits in Anderdorf wohnten und Zugang zu dem Waisenhaus hatten. Das sind dann die Hauptverdächtigen…“, überlegte ich und er nickte. „Ich kann morgen einen Abstecher ins alte Rathaus machen. Dann kopiere ich einfach das Einwohnerregister von damals!“, sagte Flo zuversichtlich. „Darf man das denn überhaupt?“, fragte ich zweifelnd „was die Sekretärin nicht weiß…“, meinte er und zwinkerte mir zu. Mir gefiel das zwar nicht, aber die Informationen könnten uns tatsächlich weiterhelfen.

„In Ordnung!“, sagte ich und er nickte „dann treffen wir uns morgen um 12 Uhr in der Eingangshalle.“ Wir verließen die Speisekammer und er begleitete mich noch bis zu meinem Zimmer. „Danke für deine Hilfe!“, sagte ich. „Ich kann dich bei deiner Suche doch nicht alleine lassen. Außerdem braucht jeder Sherlock auch einen Watson!“ Wir verabschiedeten uns und ich setzte mich auf die Sitzbank in meinem Zimmer und starrte durch das Fenster in die Nacht hinaus. Konnte ich Flo wirklich trauen? Wenn es stimmte, dass seine Familie erst später nach Anderdorf gezogen war, dann schied er als Verdächtiger aus. Morgen sollte sich das Ganze klären. Bis dahin sollte ich nicht so viel nachgrübeln und mich lieber noch ein wenig ausruhen.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-07-06T15:30:00

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Kapitel 8

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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