Wenn die Geister rufen

Kapitel 8 – Nachforschungen

Nun ist es soweit. Wie angekündigt nimmt die Geschichte ab diesem Punkt einen anderen Lauf. Zeit einen anderen Weg zu gehen…

Wenn die Geister rufen, Kapitel 8: Nachforschungen, gelesen von Lisa Koscielniak

Ich wachte am nächsten Tag erst recht spät auf. Es blieb nicht mehr viel Zeit bis zu meinem Treffen mit Flo, also machte ich mich schnell auf in die Küche, um vorher noch etwas zu essen. Pete war dort diesmal nicht allein und es roch verführerisch nach den verschiedensten Gerichten. Er winkte mich zu sich und machte mir ein Spiegelei, während ich mir eine Schreibe Brot schmierte. „Hat deine Familie schon immer in Anderdorf gelebt?“, fragte ich und er antwortete „tatsächlich ja. Und wir hatten schon immer ein Talent für das Kochen. Hier gibt es nicht so viel Veränderung. Die meisten Leute wohnen hier seit der Stadtgründung. Es gibt nur ein paar Familien, die dazu gezogen sind.“ Er sah mich neugierig an „du wirkst so nachdenklich. Was beschäftigt dich?“, fragte er dann. „seit du mir von dem Massaker damals erzählt hast, lässt es mich nicht mehr los. Vor allem, dass der Mörder nicht gefasst wurde… ich würde den Fall gerne aufklären…“, erklärte ich mit gedämpfter Stimme, damit nicht jeder in der Küche meine Worte mitbekam.

„Das ist doch schon verjährt. Der Mörder muss doch heute schon längst tot sein! Da gibt es nichts mehr aufzuklären!“, meinte Pete. „Und was, wenn nicht?“, fragte ich dann und er lachte „dann hat sich derjenige bis jetzt nicht wieder blicken lassen und auch keine weiteren Morde begangen.“, überlegte er und ich ergänzte „und wenn wir es nur nicht mitbekommen haben?“ Er musterte mich mit einem mitleidigen Blick und sagte vorsichtig „das hier ist eine kleine Stadt. Jeder kennt jeden. Glaube mir, dass wir es mitbekommen hätten. Du steigerst dich da in etwas rein. Lass die Sache ruhen…“mit diesem Schlusssatz ließ er das Spiegelei auf meinen Teller gleiten und ging zu einem seiner Kollegen. Damit war dieses Gespräch wohl beendet. Dennoch… trotz seiner Worte… ich konnte, nein… ich wollte diese Sache nicht ruhen lassen.

Als ich um 12 Uhr in die Eingangshalle kam, wartete Flo schon auf mich und winkte mit ein paar Zetteln in der Hand. „War ganz einfach! Ich habe die Listen kopiert und die Originale sind wieder an ihrem Platz!“, rief er und wir verkrümelten uns in die Bibliothek, um die Listen ungestört durchzugehen. „Was ist das ?“, fragte ich und zeigte auf einen Kaffeefleck auf einem der Zettel, der einen der Namen vollkommen unkenntlich gemacht hatte. „Die trinken den Kaffee da wie Wasser. Vielleicht ist jemandem mal ein Unglück passiert… würde mich ehrlich gesagt nicht wundern…“, überlegte Flo. Ich seufzte und sah mir die anderen Namen an. Wir hatten Glück, dass Datenschutz damals nicht wirklich groß geschrieben wurde. In dieser Liste standen ziemlich viele persönliche Informationen. Am Ende hatten wir tatsächlich ein paar Namen zusammengesammelt. Hauptsächlich Putzkräfte und Angestellte von damals, die nicht im Waisenhaus gewohnt hatten und deshalb Schlüssel zum Haus besaßen oder sich zumindest gut auskannten.

Petes Familie war auch dabei. Flo bemerkte, dass ich auf den Namen starrte. „Du glaubst jetzt aber nicht, dass Pete oder seine Familie etwas damit zu tun haben, oder?“ „Kein Ahnung. Aber als ich eben mit ihm gesprochen habe, da hat er mir sehr deutlich gemacht, dass ich nicht an diesem Fall weiterforschen sollte.“ „Ich glaube nicht, dass da eine böse Absicht hinter steckt. Ich denke, er will dich nur schützen. Immerhin ist das ja auch schon lange her. Die Chance, jetzt noch alles aufzuklären, ist ziemlich gering.“ „Fang du jetzt nicht auch noch damit an!“, rief ich und betrachtete die anderen Namen auf der Liste. Ich kannte hier ja momentan nur wenig Leute. Die meisten Namen sagten mir nichts und Flo musste mir erklären, wer sich dahinter verbarg.

Der Butler war dieses Mal nicht der Mörder. Er gehörte zu einer der Familien, die erst später nach Anderdorf gezogen sind. Dafür war der Gärtner verdächtig. Oder zumindest seine Familie, da sie auch damals schon den Garten gepflegt haben. Gleiches galt für zwei der Putzkräfte. Wenn man an diesem Ort einen Beruf anfängt, dann bleibt man anscheinend sein Leben lang dabei. Ich sollte aufpassen, was ich hier für Entscheidungen für meine Zukunft treffe. Wir gingen nochmal auf den Dachboden und versuchten auf den Fotos oder in den Berichten irgendwas Neues zu finden, nachdem wir jetzt ja ein paar Verdächtige hatten.

Es war eine Sackgasse. So kamen wir nicht weiter. „Wir müssen wohl doch mit den verdächtigen Leuten reden oder sie zumindest heimlich beobachten oder so …“, überlegte ich. „Oh, ich kenne einen guten Ort, von dem aus man den Garten gut im Blick hat. Wir können ein paar Kekse und Wasser mitnehmen und uns dort auf die Lauer legen“, meinte Flo zuversichtlich. Einen Versuch war es wert, obwohl ich eher davon ausging, dass Befragungen uns weiterbringen und Beobachtungen ziemliche Zeitverschwendung sein würden. Wir liefen in die Küche, holten Proviant und gingen dann in den Garten. Das Versteck, das Flo gemeint hatte, war tatsächlich ziemlich gut. Ein altes, von außen von Pflanzen zugewuchertes Baumhaus. Von außen sah es wie ein normaler Baum aus. Perfekt. Dann kann die Observierung ja beginnen.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-07-13T15:30:00

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Kapitel 9

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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