Wenn die Geister rufen

Kapitel 9 – Überraschende Wendung

Wenn die Geister rufen – Kapitel 9: Überraschende Wendung, gelesen von Lisa Koscielniak

Wir lagen eine ganze Weile auf der Lauer, aber es passierte nichts. Ich erwartete ja auch nicht wirklich, dass etwas Spannendes passierte, aber ein kleiner Hoffnungsfunkte brannte doch noch in mir. Man weiß ja nie, was so passieren kann. Es wurde schon langsam dunkel draußen und der Garten war inzwischen menschenleer. Irgendwann schlief ich ein. Ich wusste nicht, wie lange ich geschlafen hatte, aber als Flo mich aufgeregt wachrüttelte, war es stockfinster. Zumindest bis auf einen bestimmten Bereich im Garten, der von mehreren Fackeln erleuchtet wurde. „Wie spät ist es?“, flüsterte ich. „Es müsste kurz nach Mitternacht sein“, flüsterte Flo zurück. Ich gähnte herzhaft und versuchte dann zu erkennen, was im Garten passierte.

Durch unsere erhöhte Position hatten wir einen guten Überblick über das gesamte Gelände. Der Wind wehte zum Glück in unsere Richtung, sodass wir es eigentlich hören müssten, wenn unter uns gesprochen wird. Ich rieb mir den Schlaf aus den Augen und erstarrte, als ich erkannte, was dort auf den Boden gemalt war. „Ist das nicht…“, begann ich, aber Flo unterbrach mich: „Das ist es. Ein Teufelssymbol. Das auf dem Kopf stehende Kreuz.“ „Ich glaub’s nicht… diese Observation hat ja tatsächlich was gebracht“, murmelte ich und Flo warf mir einen strafenden Blick zu. „Es enttäuscht mich, dass du nicht an diese Baumhaus-Beobachtungsaktion geglaubt hast.“, sagte er dann. „Wie groß war denn bitte die Wahrscheinlichkeit, dass gerade heute etwas passiert, was dann auch noch in Zusammenhang mit den Morden von damals stehen könnte!“, verteidigte ich mich. Er zog eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts.

Schweigend betrachteten wir wieder den Garten. Die Fackeln warfen tanzende Schatten auf den Boden, die das Kreuz, das mit weißer Kreide auf den Boden gezeichnet worden war, noch unheimlicher erscheinen ließen. Es waren auch noch andere Symbole rund um das Kreuz auf den Boden gemalt worden, aber ich konnte nicht erkennen, welche es waren. Ein kleiner Tisch stand am Rand der Zeichnungen und irgendetwas Blitzendes lag darauf. Eine Zeit lang, war nichts zu sehen, aber dann kam jemand in einer weißen Kutte aus dem Haus und ging auf die Zeichnung zu. Als die Person die Kapuze zurückschlug, traute ich meinen Augen kaum. Das war Marienne. Aber das war doch gar nicht möglich, sie war doch gar nicht verdächtig. Die Clairs sind doch erst nach dem Massaker nach Anderdorf gezogen, oder nicht?

Ich war vollkommen verwirrt. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Auch Flo hatte überrascht die Luft eingezogen, als er sie erkannt hatte. Sie stellte sich in die Mitte der Zeichnungen und nahm das blitzende Ding von dem Tisch. Jetzt, im Licht der Fackeln, erkannte ich den Gegenstand. Es war ein Messer. Was ging hier nur vor? Marienne begann einen komischen Singsang anzustimmen, der in mir ein unangenehmes Gefühl auslöste. Ich verstand kein Wort, sie redete in einer Sprache, die ich nicht verstand. Der Ton, mit dem sie sprach, wurde immer höher und in einer Art Höhepunkt des Schauspiels riss sie ihre Arme nach oben und schnitt mit dem Messer über die Innenfläche ihrer rechten Hand. Dann legte sie ihre blutende Handinnenfläche auf das Kreuzsymbol und zog eine rote Blutspur nach unten.

Kurzzeitig war es still. Dann gab es einen lauten Knall und Feuer schoss aus dem Boden. Riesige Flammen, die sich zum Himmel streckten, züngelten in der Luft. Die Hitze, die sie ausstrahlten, konnten wir noch bis zu uns spüren. Dann wurden die Flammen wieder kleiner und gaben eine Person oder eher Wesen preis, das auf einmal vor Marienne stand, die auf dem Boden kniete und den Kopf gesenkt hielt. Es hatte lange, gedrehte Hörner und das Feuer umhüllte ihn, wie ein brennendes Gewand. Die Hitze schien ihm nichts auszumachen. Bis auf die Hörner und seine enorme Körpergröße, sah es aus wie ein Mensch. „Weshalb rufst du mich?“, fragte es und seine Stimme donnerte über das Gelände. „Meine Tochter ist vor kurzer Zeit gestorben. Damit hast du nicht zufällig etwas zu tun?“, fragte Marienne. Das Wesen lachte. „Ich habe mir nur meinen Preis geholt. Du wusstest doch, dass deine Wünsche einen hohen Preis haben. Steht alles in unserem Vertrag“, er grinste sie breit an und genoss ihren Schmerz. „So war das nicht ausgemacht!“, rief sie. „Du hättest das Kleingedruckte lesen sollen. Außerdem weiß doch jedes Kind, dass ein Pakt mit einem Teufelsdämon nicht immer fair ist“, erklärte er.

Ich war zu Eis erstarrt und meine Gedanken rasten. Der Tod meiner Mutter war also gar kein Unfall? Was hatte Marienne sich gewünscht, das das Leben meiner Mutter gekostet hat? „Ich will es rückgängig machen“, versuchte Marienne es weiter. „Man kann das Geschehene nicht rückgängig machen. Du wolltest dieses Anwesen und ich habe dafür gesorgt, dass du es kriegst. Du wolltest Reichtum. Ich habe dir Reichtum gegeben. Du wolltest Unsterblichkeit und hier steht du nach all den Jahren und bist kaum gealtert. Du wolltest eine Tochter, obwohl die Chancen dafür gering waren, aber ich habe die Chancen erhöht und du konntest eine Tochter bekommen. All das ist geschehen und hat seinen Preis und den ersten Teil habe ich bereits eingefordert“, erklärte er gereizt. „Was heißt hier erster Teil?“, fragte Marienne. Der Teufelsdämon beugte sich zu ihr herunter. „Es lebt doch noch eine kleine Clair, die es gar nicht hätte geben dürfen. Ich weiß, dass sie die Fähigkeiten ihrer Mutter geerbt hat. Sie gehört mir genauso, wie ihre Mutter mir jetzt gehört. Im Grunde solltest du dich freuen. Sie ist die einzige, die herausfinden kann, dass du für das Massaker damals verantwortlich bist!“, er schnaubte und Rauch umhüllte Marienne, die in sich zusammengesackt war. Das lief aber gar nicht gut für mich.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-07-20T15:30:00

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Kapitel 10

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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