Wenn die Geister rufen

Kapitel 11 – Gejagt

Wenn die Geister rufen, Kapitel 11: Gejagt, gelesen von Lisa Koscielniak

Als das Wesen vollständig aus dem Spalt geklettert war und Marienne ihm den Weg versperrte, holte er mit seinem Arm aus und schlug sie mit solcher Wucht zur Seite, dass sie ein paar Meter weit flog und reglos liegen blieb. Hoffentlich hatte sie sich nicht lebensgefährlich verletzt. Dieses Wesen war anscheinend übermenschlich stark. Wir bogen um eine Ecke und ich verlor den Blickkontakt zu ihm. War vielleicht auch besser so, so konzentrierte ich mehr auf das Laufen. Hoffentlich war dieses Wesen nicht auch übermenschlich schnell.

Wir rannten ins Haus und steuerten auf die Treppe zu. Im ersten Stock angekommen, sahen wir vorsichtig aus dem Fenster. Im Garten war es wieder stockfinster und niemand war zu sehen. Vorsichtig und ohne das Licht anzumachen, schlichen wir den Gang entlang und gingen dann auf den Dachboden. Keine Ahnung, ob das eine gute Idee war. Immerhin gab es nur einen einzigen Ausgang, aber das Wesen musste uns ja auch erstmal zwischen dem ganzen Gerümpel finden. Wir kauerten uns hinter die Kartons und lauschten. Im Haus war es still. Kein Knarren auf der Treppe, kein pfeifender Wind.

Dann hörte ich jedoch bekannte Stimmen. Die Geister waren wieder hier. „Es ist genau wie damals“, flüsterte es in mein Ohr. „Was können wir dagegen tun? Habt ihr eine Idee?“, fragte ich leise zurück. „Unsere Erinnerungen kommen langsam zurück“, sagte einer und ein anderer ergänzte: „In dem Kellergewölbe dieses Hauses gibt es einen geheimen Raum. Dort sind die alten Bücher aufbewahrt, die das Unglück einst heraufbeschworen haben. Um sie zu finden, müsst ihr durch die Kellertür im Erdgeschoss, dann den Gang entlang und durch die vorletzte Tür auf der linken Seite. In dem Raum befindet sich ein Bücherregal. Hinter der zweiten Bücherreihe von unten ist ein Schalter versteckt. Betätigt ihn und die Wand schwingt zurück.“

„Komplizierter geht es auch nicht, oder?“, entgegnete ich und hatte Mühe mir alle Anweisungen zu merken. Flo sah mich fragend an. Ich erklärte ihm, was die Geister gesagt hatten. „Woher wissen die das denn?“, fragte er misstrauisch. „Wir können frei herum schweben und hatten viele Jahre Zeit, dieses Anwesen zu erkunden. Bis jetzt hatten wir nur leider alles vergessen, was mit dem Vorfall damals zu tun hatte“, erklärte mir einer der Geister und ich gab seine Antwort an Flo weiter. „Dieser Teufelsdämon ist nicht dumm …“, murmelte er dann. „Versuchen wir es?“, fragte ich. „Wir haben ja keine Wahl. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um doch noch einen Weg zu finden, diese Sache hier aufzuhalten“, meinte Flo.

„Wir müssen nur extrem vorsichtig sein. Der Teufelsdämon hat ja gehört, dass diese Bücher im Keller sind, aber hoffentlich weiß er nicht genau wo, sonst wird uns dieses Wesen dort schon erwarten …“, überlegte er weiter. Wir standen wieder auf und verließen den Dachboden. Der Flur des ersten Stocks war leer und wir kamen unbehelligt bis zur Treppe. Wie beim Hochgehen, mussten wir genau darauf achten, wie wir auf die Stufen traten, um ein lautes Knarren zu vermeiden. Dadurch kamen wir nur sehr langsam voran. Auf dem Weg nach oben war das irgendwie leichter gewesen. Unsere Mühe wurde jedoch belohnt und wir kamen ohne Geräusche im Erdgeschoss an.

Wir wollten gerade weiter, als wir Schritte hörten. Flo griff nach meinem Arm und zog mich in den Schatten zwischen der Treppe und einem Schrank. Ich traute mich kaum zu atmen. Die Schritte kamen immer näher. Schlurfend und bedrohlich. Auch ein Keuchen war zu hören, so als ob dieses Wesen nicht so richtig Luft bekam Und dann, wie es in diesem Brief stand, erklang ein schrilles, wahnsinnig klingendes Lachen. Ein kalter Schauder lief mir den Rücken hinunter. Das Glück hatte uns aber noch nicht verlassen und das Wesen schlurfte an uns vorbei. Wir warteten noch einen Moment, bis es wieder leise war und schlichen dann weiter. Warum war unser Ziel nur so weit weg?

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-08-03T15:30:00

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Kapitel 12

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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