Wenn die Geister rufen

Kapitel 13 – Ausgetrickst

Wenn die Geister rufen, Kapitel 13 – Ausgetrickst, gelesen von Lisa Koscielniak

Als Flo schließlich den letzten Schrank, der die Tür blockierte, zur Seite gezogen hatte, gingen wir am anderen Ende des Raums in Deckung. Die Metalltür war schon stark eingedellt und beim nächsten Schlag des Wesen schwang sie knallend zur Seite auf. Schwer atmend stand es jetzt im Türrahmen und starrte in den Raum. Dann lachte es wieder und ich musste mir die Ohren zuhalten, weil es in dem Raum so laut widerhallte. Dieses Lachen ging einem wirklich durch Mark und Bein. Als es wieder still wurde, lugte ich vorsichtig über die Kartonwand, hinter der wir uns versteckt hatten. Das Wesen machte keine Anstalten, den Raum zu betreten.

Dann musste ich es eben dazu bringen. Ich wollte aufstehen und dem Wesen entgegen gehen, aber Flo hielt mich zu zurück. Er sah mich eindringlich an und schüttelte den Kopf. Ich löste seine Hand von meinem Arm und versuchte zuversichtlich auszusehen. Er erkannte, was ich vorhatte, warf mir aber trotzdem einen mehr als skeptischen Blick zu. Ich stand auf und stellte mich ein Stück vor unser Versteck. Jetzt war das Zeichen, das ich gemalt hatte, genau zwischen mir und diesem Wesen. Es starrte mir genau in die Augen und ich bekam eine Gänsehaut. Dumme Idee. Das Ding macht mich platt, wenn es näher kommt. Mein Kopf versuchte, mich davon zu überzeugen, zurück zu gehen und mich wieder zu verstecken. Selbst, wenn ich es gewollt hätte, hätte ich es nicht gekonnt.

Meine Beine waren wie am Boden festgewachsen und ich konnte mich kein bisschen bewegen. Ich weiß nicht, ob das an der Angst lag, die in diesem Moment in mir aufwallte oder an der Aura dieses Wesens. Es kam immer noch nicht näher. Na toll. So einfach war es dann wohl doch nicht. Ich nahm all meinen Mut zusammen, ging einen weiteren Schritt auf ihn zu und sagte dann laut: „Hier bin ich.“ Kurzzeitig passierte nichts und dann lachte es wieder. Ich musste mich sehr anstrengen, um mir nicht wieder die Ohren zuzuhalten und mich auf dem Boden zusammen zu kauern. Keine Schwäche zeigen. Nicht jetzt. Ich hob herausfordernd mein Kinn und streckte die Arme aus. „Willst du mich nicht holen kommen? Oder kannst du das gar nicht?“, fragte ich spottend.

Jetzt hatte ich den richtigen Punkt bei ihm getroffen. Endlich schlurfte er einen Schritt nach vorne. Also weiter. „Willst dich wohl nicht mit einem Mädchen anlegen. Klug von dir, man sollte uns nicht unterschätzen. Einen wie dich mache ich doch im Schlaf fertig!“, rief ich. Er kam einen weiteren Schritt auf mich zu. Gleich stand er auf dem Zeichen. Nur noch ein kleines Stück. Auf einmal klirrte es hinter mir. Flo hatte sich gegen eines der Regale gelehnt, dass dadurch aber gewackelt hatte, wodurch eine kleine Vase runtergefallen war. Die Aufmerksamkeit des Wesens lag nun auf Flo, der vor Schreck erstarrt war. Es machte Anstalten, die Richtung zu ändern und auf Flo zuzugehen, wodurch es mein Zeichen umrundet hätte. Gar nicht gut. Das musste ich um jeden Preis verhindern.

„Hey! Wir sind noch nicht fertig“, begann ich. „Stell dich zuerst mir oder hast du zu viel Angst? Siehst auch schon aus, wie ein Angsthase. War ja klar, dass du nichts drauf hast.“ Jetzt hatte ich ihn. Er starrte wieder mich an und kam auf mich zu. Ich wich einen Schritt zurück und dann stand das Wesen genau vor mir und mitten auf dem Zeichen, das bereits zu leuchten begann. „Reingefallen“, flüsterte ich und wich weiter zurück. Das Wesen wollte hinter mir her, wurde aber von einer unsichtbaren Wand aufgehalten. Es konnte nicht mehr aus dem Bereich des Zeichens heraustreten, das nun immer heller leuchtete. Dem Wesen war das Lachen vergangen und es schrie unmenschlich laut. Gleichzeitig gab es eine wahre Lichtexplosion und ich musste mich abwenden. Einen Moment später war alles wieder still und ich traute mich, mich wieder umzudrehen.

Dort, wo vorher noch dieses Wesen gestanden hatte, stand nun nur noch eine kleine Statue in der Mitte des Kreises. Ich kniete mich hin und betrachtete die Staue genauer. Es war ein genaues Abbild unseres Gegners. Wir hatten ihn tatsächlich eingefangen. „Hat es geklappt?“, fragte Flo und kam vorsichtig näher. „Ja, sieh nur“, murmelte ich und zeigte auf die Statue. „Das gibt es ja nicht“, flüsterte er fasziniert. „Tut mir übrigens leid, das mit der Vase vorhin“, meinte er dann schuldbewusst. „Kein Problem. Es ist ja noch alles gut gegangen“, erwiderte ich. „Jetzt ist es vorbei, oder?“, fragte Flo. „Noch nicht ganz. Da oben wartet immer noch ein Teufelsdämon. Den müssen wir auch noch irgendwie loswerden“, überlegte ich. „Hast du schon eine Idee? Der wird sicher nicht auf uns hereinfallen und auch auf dieses Zeichen treten“, sagte Flo und ich nickte. „Nein, das denke ich auch. Lass uns nochmal in diesem Raum gucken, ob wir was finden können, was ihn aufhält“, meinte ich dann. In den ganzen Kartons war doch bestimmt etwas Nützliches zu finden. Da war ich mir sicher.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-08-17T15:30:00

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Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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