Wenn die Geister rufen

Kapitel 14 – Nur noch eine Sache

Wenn die Geister rufen, Kapitel 14: Nur noch eine Sache, gelesen von Lisa Koscielniak

„Hast du schon was gefunden?“, fragte ich Flo und seufzte. Es gab hier echt viel altes Zeug. Altes Zeug, das uns überhaupt nicht helfen konnte und die Bücher hatten bisher auch noch nicht weiterhelfen können. „Vielleicht. Schau dir das mal an“, murmelte Flo und hielt mir das Buch hin, das er gerade las. Meine Mine hellte sich auf und ich überflog die Seiten. „Kriegen wir das denn hin?“, fragte ich unsicher. „Zumindest ist alles hier, was wir brauchen“, antwortete er und begann bereits damit, in den Kartons herumzuwühlen. In dem Buch wurde beschrieben, wie man einen Dämonen zurück in die Hölle schicken konnte. Außerdem würde er danach nicht mehr an den jeweiligen Ort zurückkehren können, an dem er gerufen worden war. Dann wären wir sicher. Zumindest, wenn wir das hinbekommen.

Man brauchte viele Zutaten, die man gemeinsam einkochen musste. Viele davon waren echt ekelig und befanden sich in dem stinkenden Karton, den ich als erstes geöffnet hatte. Die Reihenfolge musste genau beachtet werden und die Temperatur musste auch genau richtig sein. Die Anweisungen waren klar und die Folgen bei falscher Anwendung waren nicht wirklich erstrebenswert. Wir sammelten alle Zutaten zusammen und platzierten sie um einen kleinen Kessel, den wir gefunden hatten. Wir hatten ihn mithilfe einer wackeligen Seilkonstruktion über einem Bunsenbrenner befestigt, der in einem der Regale gestanden hatte und zum Glück noch mit genug Gas befüllt war.

Dann ging es los. Ich las die Konstruktionen laut vor und Flo warf nacheinander die Zutaten in den Kessel. Ich hatte mich geweigert das zu tun. Kröteneier, Fledermausflügel, Mückenlarven oder Vogelknochen, musste ich nicht unbedingt anfassen. Es war mir egal, ob das kindisch war. Zum Glück hatte ich ja noch Flo, der mir zwar einen abfälligen Blick zuwarf, die Aufgabe aber ohne zu murren übernahm. Asche, noch mehr Fledermausflügel, Zehennägel. Brackwasser, Eierschalen und lustigerweise noch eine Prise Salz. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, dass sich da jemand einen Scherz erlaubt haben musste. Ob das wirklich was bringen wird? Naja, zumindest stinkt es echt fürchterlich. Da würde ich auch verschwinden.

Als alle Zutaten im Kessel waren, ließen wir die Brühe noch ein wenig köcheln und ich suchte mir einen dünnen und einen dickeren Pinsel. Wir mussten die Flüssigkeit verteilen und kleine Symbole zeichnen, um für Schutz zu sorgen. Ein paar im Haus und dann das größte Symbol an der Stelle, an der der Dämon gerufen worden war. Flo schnappte sich das Buch und den Kessel und wir verließen den Raum. Ein Symbol kam an die Kellerwand, eins ins Erdgeschoss, eins in den ersten Stock und ein letztes an die Innenwand vom Dachboden. Wir waren die ganze Zeit über allein und im Haus war es still. Auch im Garten war es stockdunkel. Der Teufelsdämon war noch nicht wieder aufgetaucht. Das war ein gutes Zeichen.

Bevor wir in den Garten gingen, holten wir uns noch eine Taschenlampe. Dann schlichen wir vorsichtig los. Wir wussten ja, dass der Teufelsdämon uns hören konnte, aber hoffentlich konnte er uns nicht sehen. Das Zeichen muss fertig sein, bevor er wieder versucht zu erscheinen. Flo leuchtete auf das Symbol, das Marienne gezeichnet hatte und ich begann einfach darüber zu malen. Die Brühe wurde immer zähflüssiger, stank bestialisch und brannte mir in den Augen und in der Nase. Ich kratzte den Kessel bis auf den letzten Rest aus. Sicher ist sicher. Dann stellte ich mich neben Flo und wir lasen gemeinsam einen Spruch aus dem Buch laut vor, der alles beenden sollte.

Während wir lasen, züngelten Flammen aus dem Boden, aber der Teufelsdämon kam nicht hindurch. Es funktionierte. Wir hörten ihn unter uns toben und schreien, aber die Flammen wurden immer weniger, bis sie schließlich ganz erloschen. Erleichtert atmeten wir auf. Dann hörten wir ein schmerzerfülltes Stöhnen neben uns und schraken zusammen. Es war Marienne. Sie blutete am Kopf und war zu uns gekrochen. Schnell halfen wir ihr hoch, brachten sie ins Haus und verarzteten sie. Bis auf eine dicke Beule am Kopf und mehrere Prellungen schien sie heil davongekommen zu sein. Während wir uns noch um sie kümmerten, schlief sie ein. Erschöpft ließen auch wir uns auf eines der bunten Sofas fallen. Was für ein Tag. Zum Glück war das jetzt vorbei. Mir fielen die Augen zu. Das waren echt genug Aufregung und Abenteuer für heute.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-09-07T15:30:00

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Kapitel 15

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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