Wenn die Geister schweigen

Kapitel 3 – Der Anfang ist gemacht

Wenn die Geister schweigen – Kapitel 3: Der Anfang ist gemacht, gelesen von Lisa Koscielniak

Die letzten Schulstunden hing ich gequält auf meinem Stuhl und fand einfach keine bequeme Sitzposition. Die Bauchschmerzen gingen nicht weg, aber das Schlimmste waren gar nicht die Schmerzen, sondern die Geräusche. Ich verdaute. Und zwar verdammt laut. Deshalb stand ich für die restliche Schulzeit unter Daueranspannung und betete innerlich, dass mein Magen, wenn alle im Klassenraum still waren, ebenfalls schweigen würde.

Ein paar Mal war es wirklich knapp. Flo, der den Platz neben mir hatte, musste sich die ganze Zeit über das Lachen verkneifen und schaute immer wieder amüsiert zu mir rüber. Immerhin er hatte Spaß. Mir war es einfach nur unangenehm. So langsam bereute ich es doch, diesen Brei gegessen zu haben. Andererseits: Wenn ich eine Magenverstimmung bekam, musste ich vielleicht für ein paar Tage nicht in die Schule. Das wäre tatsächlich ein Vorteil.

Dann würde ich allerdings alleine in Clair Manor versauern. Flo würde vormittags in der Schule sein und mich erst nachmittags besuchen können. Wenn überhaupt. Das mit der Magenverstimmung kam also auch nicht wirklich in Frage. Dann doch lieber hier unter Menschen sein. Das Alleinsein in Clair Manor tat mir und meinen zunehmend düsterer werdenden Gedanken nicht gut. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten beides vermeiden, doch das war leider nicht möglich.

Als die Schulglocke läutete und endlich die letzte Stunde vorbei war, streckte ich mich und gähnte herzhaft. Die Inhalte der Fächer waren alle eher weniger interessant. Einiges kannte ich noch von meiner anderen Schule und der Rest… naja der musste auch nicht sein. Schule eben. Gemeinsam mit Flo machte ich mich auf den Rückweg. Kaum hatten wir das Gebäude verlassen, stellten sich uns drei jüngere Schüler und Schülerinnen in den Weg.

„Stimmt es, dass du im Massakerhaus wohnst?“, fragte einer. „Da spukt es, oder?“, fragte eine andere. „Alle, die da wohnen sind verflucht!“, rief ein weiterer. „ Nein, es spukt dort nicht…“, versuchte Flo sein Glück, wurde aber sofort unterbrochen. „Das sagst du nur, weil der Fluch dich dazu zwingt. Sonst holt dich der Mörder von damals!“, rief einer der Schüler. Flo seufzte genervt. Die Unterhaltung hatte er wohl schon öfter führen müssen. Vielleicht ging er die Sache falsch an.

„Ihr habt vollkommen recht. Natürlich spukt es in Clair Manor“, begann ich und die drei machten große Augen. „Wir dürfen unsere Zimmer nachts nicht mehr verlassen und müssen immer abschließen. Ihr solltet aufpassen und lieber nicht zu viel darüber reden, sonst kommt der Mörder vielleicht auch zu euch“, beendete ich meine kleine Geschichte. „Wir reden nie wieder darüber!“, rief das Mädchen der Gruppe und zerrte die beiden Jungen weg. „Das ist doch super!“, rief der eine. „Nein ist es nicht, wir reden da nie wieder drüber“, sagte das Mädchen und dann waren sie zu weit weg, um dem Gespräch noch weiter zuhören zu können. „So schnell bin ich die drei noch nie losgeworden“, lachte Flo. „Gewusst wie!“, meinte ich nur lächelnd und wir setzten unseren Weg fort.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-10-05T15:30:00

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Kapitel 4

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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