Wenn die Geister schweigen

Kapitel 7 – Geheimnisse

Wenn die Geister schweigen – Kapitel 7: Geheimnisse, gelesen von Lisa Koscielniak

„Das ist schon lange her. Marienne war damals von Neid und Gier zerfressen. Die weiße Magie konnte ihre Wünsche nicht erfüllen. Meine Lehren gingen ihr nicht weit genug. Deshalb hat sie sich immer mehr mit den Künsten der schwarzen Magie beschäftigt. Verbotene Bücher entwendet und studiert. Sie verlor sich ganz in den Verlockungen der Dunkelheit. Ich hatte damals eine leichte Ahnung, Marienne hatte mir aber geschworen, dass sie niemals schwarze Magie nutzen würde. Dass ihr bewusst wäre, was das für Folgen nach sich ziehen konnte und diese Folgen nicht auf die Welt loslassen würde. Mein Fehler damals war, ihr zu glauben“, sie stockte kurz und seufzte.

„Als ich sie schließlich doch bei der Anwendung schwarzer Magie erwischte, war es zu spät. Das, was sie heraufbeschworen hatte, war nicht mehr aufzuhalten. Sie hatte einen Teufelsdämon heraufbeschworen. Geblendet von all den Versprechungen, ging sie mit ihm einen Handel ein und brachte so das Unheil hierher. Ich konnte nicht eingreifen. War verdammt dem Verderben zuzusehen, da Marienne einen Schutzkreis gezogen hatte, der sie und den Dämon von der Außenwelt abschirmte. Ich konnte nicht hinein und die beiden konnten nicht so einfach heraus. Immerhin hatte sie für ein wenig Sicherheit gesorgt. Doch das war natürlich nicht genug. Nicht im geringsten. Der Dämon hatte Anderdorf betreten und seitdem konnte er durch den Pakt mit Marienne immer wieder zurückkehren. Es war wie eine Einladung in unsere Welt“, erklärte sie weiter.

„Und was ist mit meiner Mutter?“, fragte ich. „Der Wunsch von Marienne wurde erfüllt. Genau wie alle anderen. Aber eigentlich hätte es deine Mutter nie geben dürfen. Durch die dämonische Energie, besaß sie Gaben, die normale Menschen nicht hatten. Sie hatte ein unglaubliches Talent für die Magie und konnte sogar mit Geistern kommunizieren. Doch sie war noch zu jung und es prasselte zu viel auf sie ein. Ich wollte ihr helfen, aber Marienne hielt sie von mir fern. Sie versuchte die Geschehnisse, die ihre Wünsche ausgelöst hatten, zu verdrängen. Der Druck auf deine Mutter wurde immer größer und schließlich verließ sie Anderdorf. Sie wollte abschließen und alles zurücklassen. Leider, geht das aber nicht so einfach. Eine Zeit lang ging es gut, aber dann fand der Dämon sie und holte sich zurück, was ihm einst gehörte“, antwortete sie.

„Wenn das alles stimmt, was ist dann mit mir?“, fragte ich und ahnte die Antwort bereits. „Du bist wie deine Mutter. Ich kann sie in dir erkennen. Seit du in dieser Stadt bist, passieren ungewöhnliche Dinge. Das ist kein Zufall. Der Dämon versucht auch nach dem Bruch des Paktes in diese Welt zu gelangen. Er will beenden, was er begonnen hat. Ihr habt ihn aufhalten können, was an sich für Anfänger wie euch schon eine grandiose Leistung ist, aber das wird nicht reichen. Bei weitem nicht. Er wird wiederkommen und wenn er das tut, kommt er mit all seinem Zorn und wird wie eine mächtige Flammenwelle über uns rollen“, meinte sie und musterte mich besorgt.

„Was können wir tun?“, fragte Flo in die Stille und ich sah ihn überrascht an. „Du schaust mich an, als hättest du erwartet, dass ich das einfach akzeptiere. Das denkst du doch nicht wirklich, oder? Wir haben diesen Kerl einmal besiegt und wir schaffen das wieder“, sagte er dann und lächelte zuversichtlich. Vorsichtig lächelte ich zurück. Ich war froh, dass er an meiner Seite war und ich durch das alles nicht allein durchmusste, aber ich wollte auch nicht, dass er durch mich in Gefahr geriet. Auf Marienne konnten wir jedenfalls nicht zählen. Die wollte von Magie nichts mehr wissen. Außerdem ging sie uns aus dem Weg.

„Ich konnte damals deiner Mutter nicht helfen und konnte das Schicksal der Clair Familie nicht abwenden. Aber dir kann ich jetzt helfen“, sagte Alma dann. „Wirklich?“, fragte ich erleichtert. „Ja. Ihr seid von euch aus hierher gekommen. Deshalb hindert mich nun kein Zauber mehr, euch alles beizubringen, was ich weiß. Ich bin die führende Expertin auf dem Gebiet der weißen Magie. Früher hatte ich viele Schüler, aber ich hatte aufgehört, als das mit Marienne passiert ist. Aber das ist jetzt vielleicht meine Chance, den Fehler von damals wiedergutzumachen. Aber bevor wir anfangen, legt ihr einen Schwur ab, dass ihr die Finger von der schwarzen Magie lasst. Danach können wir beginnen“, erklärte sie.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-11-02T15:30:00

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Kapitel 8

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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