Wenn die Geister schweigen

Kapitel 9 – Neuer Unterricht

Wenn die Geister schweigen – Kapitel 9 (jetzt auch wirklich): Neuer Unterricht, gelesen von Lisa Koscielniak

Ich lag tatsächlich richtig. Niemand fragte in den nächsten Tagen nach, warum ich immer so spät kam. Dabei hatte ich mir doch extra so eine gute Ausrede parat gelegt. Nämlich die, dass ich länger in der Schule bleiben muss, da ich mich in eine AG eingeschrieben habe. Die war doch echt gut! Eine gute Erklärung, die jetzt in meinem Gehirn verstaubte. Es nagte auch an mir. Also, die Tatsache, dass sich niemand um mich und meine Aktivitäten scherte. Fast, als wäre ich Luft. Ich hatte das Gefühl, mich von allen anderen in Clair Manor entfernt zu haben.

Das gefiel mir nicht, aber zum Glück hatte ich in letzter Zeit gar nicht so viele Möglichkeiten, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Neben der normalen Schule, in der ich ja auch Hausaufgaben aufbekam und lernen musste, war ich jetzt immer gemeinsam mit Flo für ein paar Stunden bei Alma in der Bibliothek. Die Tage waren gut gefüllt. So sehr, dass ich mich schon freute, wenn mal Kundschaft in die Bibliothek kam und wir eine kurze Pause einlegen konnten. Alma war eine sehr strenge Lehrerin. Wir hatten mit ihr ganz schön zu kämpfen.

Sie versuchte uns so schnell wie möglich auf den Teufelsdämon vorzubereiten. Dadurch hatten wir allerdings auch permanenten Zeitdruck und jeden Tag einen Haufen Arbeit. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich allerdings wahrscheinlich trotzdem zugestimmt. Die neuen Erkenntnisse und Fähigkeiten waren es wert. Und das zu hundert Prozent. Da waren Flo und ich uns einig. Am Anfang war alles noch sehr theoretisch und Alma hat uns durch diverse Grundlagenbücher geprügelt, aber seitdem wurde es mit jedem Tag spannender. Wir durften immer mehr selbst ausprobieren.

Der wirklich spannende Teil eben. Allerdings war das Anwenden von Magie schwerer als gedacht. Wir brauchten immer irgendwelche Hilfsmittel und die waren teilweise echt ekelig. Die stinkenden Utensilien, die wir schon bei Marienne gefunden hatten, hatten gar nicht ausschließlich mit schwarzer Magie zu tun. Die brauchte man bei jeder Anwendung. Es stellte sich heraus, dass Kerzen mit am wichtigsten waren. Die waren aus besonderem Wachs hergestellt und rochen mehr als merkwürdig. Ich bekam von dem Geruch regelmäßig Kopfschmerzen. Und ich muss dazu sagen, dass es noch nicht mal die schlimmsten Utensilien waren.

Es wurde je nach Zauber intensiver. Je schwieriger der Zauber, desto aufwendiger war er und desto mehr Utensilien brauchten wir. Ein graues Pulver war dann auch häufig dabei. Es wurde in den Büchern als Knochenpulver bezeichnet. Ich fragte lieber nicht genauer nach. War wohl auch besser so. Die fortgeschrittenen Bücher und die ganzen Materialien holte Alma immer aus einem Nebenraum, zu dem wir keinen Zutritt hatten. Sie schloss den Raum nicht nur ab, sie hatte ihn auch noch mit einem Zauber belegt. Die Sicherheitsmaßnahmen waren sehr hoch. Da war kein Reinkommen. Das machte den Gedanken daran, allerdings noch verlockender.

Ich versuchte jedes Mal einen Blick in den Raum zu erheischen, aber es gelang mir nicht. Alma war vorsichtig, aber ich gab nicht auf. Mit einem Stück Kreide bewaffnet, das verdächtig nach dem Knochenpulver roch, übten wir die magischen Zeichnungen innerhalb von Kerzenreihen. Es war gar nicht so einfach, sich die Symbole einzuprägen. Sie hatten viele Schnörkel und Details. Alma setzte auf Wiederholen und ließ uns die Zeichen immer wieder malen, bis sie sich eingeprägt hatten und wir die Bücher nicht mehr brauchten. Dann durften wir sie auch aktivieren. Sie wusste wie sie Anreize schaffen konnte, damit wir uns ins Zeug legten.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-11-16T15:30:00

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Kapitel 10

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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