Wenn die Geister schweigen

Kapitel 10 – Magie

Wenn die Geister schweigen – Kapitel 10: Magie, gelesen von Lisa Koscielniak

Magie ist im Ruhezustand wie ein leichter Nebel. Durchzogen von zartem blau. Fast, als würden dünne Flüsse aus langsam dahinfließenden Wasser hindurchgleiten. Wunderschön anzusehen und gleichzeitig irgendwie beruhigend, wenn sich alles in einer gemeinsamen Harmonie nach oben und unten bewegt. Fast so, als würde alles einer eigenen Melodie folgen. Wartend darauf, dass etwas passiert. Beginnt man die Magie zu formen, durchzieht den Nebel ein Zucken. So lange, bis man schließlich die Kontrolle hat und selbst die Melodie bestimmt, der alles folgt.

Dafür allein brauchten wir schon mehrere Tage. Eins zu werden mit diesem Nebel und seinen sanften Flüssen. Doch hatte man es einmal geschafft, war ein Schalter im Inneren umgelegt und die Verbindung fiel mit jedem Versuch immer leichter. Ich konnte den Nebel auch mit geschlossenen Augen vor mir sehen. Konnte jeden einzelnen, winzigen Partikel spüren und bewegen. Einzeln oder im Zusammenhang mit den anderen. Ich musste den Partikeln nur einen kleinen Schubs geben und schon wurde aus dem Nebel ein Sturm, der durch den Raum wirbelte.

Ein kleiner Tornado mit blauen Flecken. Ein Griff hinein und alles beruhigte sich wieder. Kam zum Stillstand. Fasziniert strich ich mit einer Hand durch den nun wieder geduldig wartenden Nebel. Irgendwie fühlte er sich kalt an. Fast als würde man durch stillstehende Regentropfen streichen. Vielleicht war es auch nur Einbildung, weil ich die Magie durch den blauen Schimmer irgendwie mit Wasser verband. Die Vorstellung gefiel mir trotzdem und vereinfachte die Interaktion mit der Magie noch.

Die Magie, die wir jeweils um uns rum hatten, war unsere eigene Magie. Unsere natürliche Magieaura, wie Alma sie beschrieb. Wir hatten sie vorher mithilfe eines kleinen Rituals sichtbar gemacht. Dafür mussten wir mit der weißen Kreide ein Symbol aus vielen ineinander stehenden Kreisen zeichnen und an den äußeren Rändern fünf Kerzen aufstellen und anzünden. Der Raum stand auch ohne Magie schon ganz im Nebel, da die Kerzen so viel Rauch absonderten. Ich hatte Mühe, einen Hustenreiz zu unterdrücken. Natürlich ließen auch die Kopfschmerzen nicht lange auf sich warten, aber die waren schnell vergessen, als die Magie um uns herum tatsächlich sichtbar wurde.

Die Magie um Flo herum war etwas blasser und nahm nicht ganz so viel Platz ein, aber sonst war alles gleich. Alma erklärte dazu, dass man so erkennen konnte, wer magisch begabt war und wer nicht. Es gab wohl auch viele Menschen, die gar keine magische Aura besaßen und bei denen man jetzt nichts sehen würde. Es erleichterte mich, dass das bei Flo und mir nicht der Fall war. Die ganze Mühe hatte sich gelohnt. Der erste Schritt war getan. Jetzt mussten wir nur noch lernen, richtig mit der Magie umzugehen.

Das war dann schon wieder ein ganz anderes Thema. Die Magie zu bewegen, war noch machbar. Das bekamen wir beide recht schnell hin. Die Aufgabe, die darauf folgte, war schon deutlich schwieriger. Wir sollten die Magie in etwas verwandeln. Irgendetwas. Alma ließ uns die Wahl, erklärte aber auch nicht, wie wir das anstellen sollten. Wir sollten es erstmal selbst ausprobieren. Ich überlegte eine Weile. Schließlich nahm ich die für mich naheliegendste Wahl: Regentropfen. Und zwar richtige, sichtbare Regentropfen. Es brauchte Zeit und ich probierte viel herum, aber schließlich bekam ich den Dreh heraus und verwandelte die Magie vor mir in in der Luft tanzende, kleine Regentropfen. Geschafft.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-11-23T15:30:00

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Kapitel 11

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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