Wenn die Geister schweigen

Kapitel 11: Ungewollter Besuch

Wenn die Geister schweigen – Kapitel 11: Ungewollter Besuch, gelesen von Lisa Koscielniak

Die Regentropfen verharrten in der Luft und warteten auf weitere Anweisungen. Ich berührte einen von ihnen leicht mit einem Finger. Er wabbelte wie ein Löffel voll Wackelpudding und fühlte sich tatsächlich an wie Wasser. Ich schloss meine Hand um ihn und als ich sie wieder öffnete war der Tropfen weg und meine Hand nass. Alma kicherte. Sie hatte mich die ganze Zeit beobachtet. „Wenn du davon schon so fasziniert bist, was wird dann erst, wenn wir mit den richtig coolen Sprüchen beginnen?“, fragte sie amüsiert. „Richtig coole Sprüche?“, fragte ich neugierig nach. „Natürlich. Du denkst doch nicht wirklich, dass das schon alles war, oder?“, fragte sie und ihre Augen blitzten dabei geheimnisvoll.

„Wollt ihr ein Beispiel?“, ergänzte sie dann und Flo und ich nickten eifrig. Alma schnappte sich ein Stück Kreide und zeichnete ein Symbol auf den Boden. Es kam mir nicht bekannt vor. Das war sicherlich ein Zeichen aus den Büchern für fortgeschrittener Magie. Kaum, dass sie den letzten Strich gezogen hatte, leuchtete das Symbol auf. Sie murmelte etwas und dann begann sie auf einmal zu schweben. Sie hob vom Boden ab, als wäre sie leicht wie eine Feder und glitt elegant durch den Raum. „Das musst du uns unbedingt auch beibringen“, flüsterte ich. Fliegen zu können. Wer wünschte sich das nicht oder war nicht wenigstens fasziniert davon?

Sanft landete Alma wieder auf dem Boden und lächelte uns an. Sie wollte gerade etwas sagen, als die Kerzenflammen plötzlich zu zittern anfingen und schließlich ganz erloschen. Ein kalter Windzug zog durch den Raum und heulte leise auf. Dann ertönte ein tiefes Lachen. Gehässig und selbstsicher. Die Stimme, die danach erklang, war mir nur allzu gut bekannt. „Erst war ich mir nicht sicher. Du hast immerhin schon eine ganze Weile keine Magie mehr angewendet. Ich dachte, ich würde es mir einbilden. Doch dann wurde die Magie genau hier immer stärker und ich dachte mir, ich muss das mal kontrollieren. So sieht man sich wieder. Du trainierst also wieder junge Magieschüler? Wie überraschend“, die körperlose Stimme des Teufelsdämons hallte durch den Raum.

„Dieser Ort ist geschützt. Du kannst nicht“, begann Alma doch der Teufelsdämon unterbrach sie. „Ich kann alles und ich hatte viel Zeit. Ich hoffe, du hast deine Schüler gut unterrichtet. Ohne Gegenwehr wäre es ganz langweilig.“ Alma begann leise Sprüche zu murmeln. „Das hilft dir jetzt auch nicht mehr. Es ist viel zu spät. Du hättest mehr auf deine Umgebung achten sollen. Macht euch bereit!“, entgegnete er. Ein weiterer Luftzug ging durch den Raum und plötzlich brannten die Kerzen wieder. Dafür begann der Boden zu beben und alles wackelte und klirrte. „Er versucht die Schutzzauber zu durchbrechen!“, rief Alma.

„Was machen wir denn jetzt?“, fragte Flo nervös. „Dieser Teufelsdämon soll mich kennenlernen. Ich bin nicht so unvorbereitet, wie er denkt. Folgt mir, schnell!“, rief sie und verließ den Raum. Wir folgten ihr und sie führte uns in einen Teil der Bibliothek, in dem wir bisher noch nie waren. Hinter Stapeln von Kartons verbarg sich eine Tür. Sie war mit einem magischen Siegel verziert. Alma legte ihre Hand auf das Siegel und die Tür schwang quietschend auf. Dahinter befand sich eine Wendeltreppe, die nach unten führte. Sie wies uns an vorzugehen und schloss die Tür dann hinter uns. „Einfach immer weiter“, sagte sie, als sie merkte, dass wir nur zögernd weitergingen.

Die Treppe endete vor einer weiteren Tür, die mit zwei weiteren Siegeln verziert war. Alma öffnete sie auf die gleiche Weise wie die erste Tür und wir gingen hindurch. Auf diese Tür folgen noch zwei Türen, die noch mehr Siegel zierten und in einen großen Kellerraum führten. Er war wie eine kleine Wohnung. Auf den ersten Blick war alles vorhanden, was man zum Leben so brauchte. Alma ging auf einen Schrank zu und holte einen Korb hervor. Aus diesem nahm sie diverse Kerzen und ein neues Stück Kreide und sicherte den Raum erneut ab. Flo und ich hatten uns in der Zwischenzeit auf ein Sofa gesetzt, dass in der Mitte des Raums stand und betrachteten beunruhigt die Decke, von der durch das Beben Staub regnete.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

2021-11-30T15:30:00

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Kapitel 12

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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