Schwierige Entscheidung

close up shot of keys on a red surface

Ich stand vor Kurzem vor einer der schwierigsten Entscheidungen meines bisherigen Lebens. Für manche wäre es sicherlich lächerlich gewesen, aber für mich hat sich herausgestellt, dass es mich unglaublich belastet hat. Ich hatte das Angebot bekommen, auf eine andere Stelle innerhalb der Organisation zu wechseln. Gleiches Gehalt, anderes Team, andere Tätigkeiten. Das Angebot hatte mich ein wenig überrumpelt, weil ich zuvor mit Absicht kein Interesse bekundet hatte, als die Stelle ausgeschrieben war. Nun war sie aber noch frei und ich besaß die Voraussetzungen, die gefordert waren. Also wurde ich doch noch gefragt.

Anfängliche Neutralität wurde schnell zu Sorge und ein immer größer werdender Stein lastete auf meiner Seele. Jetzt musste ich mich doch mit dem Thema auseinandersetzen. Das habe ich dann auch nach bestem Wissen und Gewissen getan. Grundsätzlich war es eine Chance für mich und von dem, was ich bisher wusste, war es auch interessant. Also bat ich um Bedenkzeit. Immerhin zwei Mal konnte ich mir die Tätigkeiten der anderen Stelle genauer ansehen, mit meinen Kollegen*innen sprechen und auch mit der Teamleiterin dort. Mehr war in der kurzen Zeit nicht rauszuholen. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass es besser so war. Ich hätte nur Zeit geschunden und weitere Hospitationen hätten mir die Entscheidung nicht erleichtern können.

Ich konnte alles sehen und klären, was wichtig war. Von Stunde zu Stunde bin ich mit meiner Meinung hin und hergeschwankt. Mal war ich extrem positiv gestimmt (vor allem nach dem Gespräch mit der Teamleiterin) und dann war ich wieder extrem unsicher. Und warum? Ich konnte mir schon vorstellen, dort zu arbeiten. Grundsätzlich. Mit den Kollegen dort kam ich gut klar und hatte sogar bereits begonnen, darüber zu diskutieren, wie es weitergehen konnte. Das hat Spaß gemacht. Zu planen, Ideen zu sammeln. Auch wir harmonierten. Ich wusste, dass es funktionieren könnte und bekam Zuspruch aus verschiedenen Richtungen. Es wäre möglich. Keine Frage. Deshalb war es ja so schwer.

Ich stand vor einer Wahl zwischen zwei guten Dingen. Einer neuen Tätigkeit, in der ich mehr Freiheiten hatte, enger mit unseren Kunden*innen zusammen arbeiten konnte, innerhalb von selbst erstellten Workshops kreativ werden konnte und zwei Kollegen an meiner Seite hatte, von deren Sichtweisen ich nur profitieren konnte und meiner alten Tätigkeit, in die ich mich inzwischen gut eingearbeitet hatte, in der ich bereits sehr eng mit meinen Kollegen*innen zusammen arbeitete, in der ich mich wohlfühlte und die mich immer wieder auf verschiedene Weisen herausforderte. Ein Wechsel würde vieles vereinfachen. Vieles würde wegfallen. Die Frage war jedoch, ob ich das wollte.

Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich diesen Druck, diese Herausforderung brauchte. Ich wurde das Gefühl nicht los, bereits am richtigen Ort zu sein. Auch, wenn man sich mal ärgerte. Auch, wenn man häufig nicht vorankam. Ich machte es gerne. Denn es gab auch immer mal wieder Momente, in denen einem Dankbarkeit entgegengebracht wurde. So auch in dieser Zeit. Nachdem ich mit einer meiner Kundinnen telefoniert hatte, schrieb sie mir noch eine E-Mail, in der sie sich bedankt hat. In der sie schrieb, dass sie gerne bei mir bleiben würde. Das hat mich unglaublich gefreut. Was gibt es schöneres? Ihre Worte haben mir gezeigt, dass ich mich auf einem guten Weg befinde.

Nun stand ich aber immer noch davor, diese verdammte Entscheidung zu treffen. Was war denn jetzt richtig? Es deutete sich an, aber ich hatte Angst, mich falsch zu entscheiden. Hatte Angst zu voreingenommen zu sein. Also habe ich mit einer Kollegin telefoniert, die früher auf der Stelle war, die mir die letzten Tage so schwer gemacht hatte. Diese Kollegin hat mir eine interessante Frage gestellt: „Was wäre, wenn du nächste Woche auf der neuen Stelle anfangen würdest? Wie würdest du dich fühlen?“ Meine Antwort war: „Furchtbar. Ich würde wahrscheinlich einen kleinen Nervenzusammenbruch erleiden“ Und sie sagte, dass ich mich dann doch bereits entschieden hatte. Sie nannte trotzdem noch einige mehr als gute Argumente für einen Wechsel und dann war ich wieder mit meiner Entscheidung allein.

Doch etwas war anders. Es war, als hätte jemand einen Schalter in mir umgelegt. Ich war auf einmal unglaublich emotional. Das merkte ich bereits zum Ende des Gespräches und danach wurde es dann immer schlimmer. Ich war kurz vorm Überlaufen. Würde mich jetzt jemand auf den Stand meiner Entscheidung ansprechen, dann würde ich mich nicht mehr kontrollieren können. Was ist passiert? Es wurde zwei Mal angesprochen. Natürlich. Das erste Mal konnte ich noch zurück in mein Büro fliehen und mich geradeso noch wieder beruhigen. Das zweite Mal wurde ich in meinem Büro angesprochen. Da war ich verloren. Ich konnte mich nicht mehr verstecken. Schlagartig war es vorbei mit meiner Selbstkontrolle und Tränen liefen unaufhaltbar meine Wangen hinunter.

Das wollte ich nicht. Es ist mir noch heute unangenehm. Aber ich konnte nichts dagegen tun. Es hatte sich bereits angekündigt. Allein der Gedanke zu gehen, löste eine solche Verzweiflung und Traurigkeit in mir aus, dass ich mich nicht mehr halten konnte. Selbst jetzt, wo ich alles aufschreibe, fühle ich es noch. Wenn auch tausend Mal schwächer als an diesem Tag. Nun ja… ich habe dann die letzten Tage, die mir blieben, noch weiter darüber nachgedacht und meine Entscheidung verfestigte sich immer mehr. Es tat mir leid, denn es war immer noch eine Entscheidung zwischen zwei sehr guten Dingen, aber ich war noch nicht bereit. Ich konnte noch nicht gehen. Also habe ich abgelehnt.

© Lisa Koscielniak and Lisas Gedankenbutze

Veröffentlicht von LisaK

Autorin und Bloggerin

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